Cardio • 11.10.2015 • Runtastic Team

Faszien: Was sie sind und wie du sie trainieren kannst

Das Thema „Faszientraining“ erobert gerade im Sturm die Sport- und Fitnessszene, sei es in Form von Fachartikeln, Büchern oder speziellen Trainingstools, wie zum Beispiel den bekannten Schaumstoffrollen. Susanne Linecker, Expertin für Faszien, weiß genau um die Bedeutung der Faszien und erklärt, warum man auf sie keinesfalls vergessen darf. Ganz im Gegenteil: Gezieltes Faszientraining schützt vor Verletzungen und hat viele weitere Vorteile.
Als begeisterte Läuferin und Hobby-Triathletin fand Susanne Linecker nach einer Verletzung zum Faszientraining und war von den Erfolgen begeistert. Als mehr oder weniger ambitionierter Hobbysportler denkt man sich aber vielleicht zuerst Folgendes:

Warum die Trainingsmethode wechseln, ich komme doch gut klar (mit Muskelkrafttraining, Dehnen etc.)?

  • Faszien werden doch automatisch mittrainiert, wenn ich Sport mache?!
  • Was sollen wir denn noch alles machen?

„Faszientraining ist tatsächlich keine völlig neue Trainingsmethode, es soll auch keine anderen Trainingsbereiche ersetzen oder die straff geplante Freizeit so füllen, dass keine Zeit mehr für das tatsächliche Training bleibt”, weiß die Expertin. Mit dem Faszientraining kommt nur eine bislang fehlende Komponente ins Spiel, die richtig eingesetzt mühelos in das bisher gewohnte Training integriert werden kann, „und es in jedem Fall bereichern und ergänzen wird”, verspricht Susanne Linecker.

Viele Trainingsprogramme (z.B. Pilates, Yoga,…) betonen zwar, dass sie die Faszien mittrainieren, das ist aber meist nur bruchstückhaft oder eher zufällig der Fall. „Deshalb ist es oft nicht besonders effizient, denn Faszien benötigen eigene Impulse und ganz bestimmte Bewegungen”, erklärt die Expertin.

Das lässt sich anhand eines Beispiels ganz gut erklären: Wer für einen Marathon trainiert, trainiert auch „irgendwie“ seine Muskeln mit, wird aber deshalb nicht automatisch in der Kraftkammer plötzlich schwere Gewichte stemmen können, die nötige Muskulatur dafür wurde nicht speziell aufgebaut – gezieltes Training ist also hier der ausschlaggebende Punkt.

Faszien – was ist das?
Faszien (umgangssprachlich bezeichnet man sie als „Bindegewebe”) sind der Baustoff, der unseren ganzen Körper durchzieht, die Organe umhüllt und uns Form und Struktur gibt.

An einer aufgeschnittenen Orange kann man gut das fein verzweigte, weiße Gerüst erkennen, das der Frucht ihre Form verleiht und Flüssigkeit sowie Fruchtfleisch in kleinsten Kammern in Position hält. Faszien haben eine vergleichbare Aufgabe im menschlichen Körper. „Was viele nicht wissen: Aufgrund ihrer vielen Sensoren für Bewegung, Lage, Spannung, Druck und Schmerz sind sie dazu auch unser größtes Sinnesorgan, da sie mehr Fläche einnehmen als die Haut”, sagt Susanne Linecker, die als Ergotherapeutin in der Handrehabilitation sowie im stationären Bereich in der Orthopädie und Neurologie arbeitet.

Die Expertin hat beobachtet, dass man seit einigen Jahren die große Bedeutung des Fasziensystems immer mehr erkennt. Es spielt für unseren Körper, unser Wohlbefinden, unsere Wahrnehmung, unsere Beweglichkeit und das Vermeiden von Verletzungen eine wesentliche Rolle. Allerdings funktionieren Faszien nur, wenn man sie ausreichend benützt und trainiert. Faszien durchziehen unseren gesamten Körper wie ein Netz, das unterschiedlich viel Flüssigkeit enthält und auch unterschiedlich engmaschig im Körper angeordnet ist. Es kann dehnbar, dicht, zug- und reißfest oder weich und lose sein.

Die Bausteine der Faszien
Im Wesentlichen bestehen Faszien aus den Urbausteinen des Lebens: Protein und Wasser.  Je nach Körperregion ist das Gewebe unterschiedlich zusammengesetzt. Daher findet man im Körper auch verschiedene Arten von Faszien:

  • Sehnen und Bänder
  • Stramme Hüllen um Organe
  • Hauchdünne Schichten rund um einzelne Muskelbündel
  • Bindegewebskapseln der Gelenke
  • Das Gewebenetzwerk in unserem Körper ist aufgebaut aus den Strukturproteinen

Kollagen (dehnbar und reißfest) und Elastin (hoch elastisch). Bindegewebszellen produzieren diese beiden Proteine und sitzen verteilt im Fasziennetz. Sie stellen ständig neue Zellen her, tauschen das Gewebe regelmäßig aus und produzieren Fasern in dem Anteil, in dem er gerade in einem Organ oder einer Körperregion gebraucht wird. Sie reagieren dabei auf Belastungen (Anforderung) von außen (z.B. Trainingsreize). Je intensiver und länger solche Reize andauern, desto mehr und desto schneller wird das Gewebe danach ausgerichtet (Umbau der Hälfte des Fasziengewebes in zirka einem Jahr). „Dadurch kann zum Beispiel die Achillessehne des Läufers mit gezielten Trainingsreizen belastbarer und elastischer werden, was wiederum vor Verletzungen schützt”, rät die Expertin.

„Die Bindegewebszellen und Fasern sind von der flüssigen Grundsubstanz, der sogenannten Matrix umgeben. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Versorgung der Bindegewebszellen und des Organs, zu dem das jeweilige Bindegewebe gehört”,  betont Susanne Linecker. Es enthält jeweils unterschiedlich große Anteile an Abwehrzellen, Lymphzellen, Fettzellen, Nervenendigungen sowie Blutgefäßen und der Wassergehalt variiert ebenso.

Wasser spielt als Medium für den Zellstoffwechsel eine sehr große Rolle. Das Wasser wird von der Hyaluronsäure (einem Zuckermolekül) gespeichert. Diese sorgt auch für einen faltenfreien Teint. Der Wassergehalt und der Austausch von Flüssigkeit ist unter anderem Ziel einiger Übungen beim Faszientraining.

Wozu Faszientraining?
Neben Techniken der Faszienbehandlung setzt Susanne Linecker mit Begeisterung auch aktives Faszientraining zunehmend mit Patienten aller Altersschichten ein. Aktuell bildet sie sich gerade zur Fascial Fitness Trainerin weiter. So weiß sie genau, warum Faszientraining eine wesentliche Rolle spielt:

  • Vorbeugen von Verletzungen und Schmerzen
  • Jugendliche Elastizität und Spannkraft erhalten
  • Optimale Speicherkapazität von Energie (z.B. kraftvoll federnder Laufstil, hohe Sprungkraft)
  • Schnellere Regeneration der Muskel-Faszien-Einheit

Hast du schon Erfahrungen mit Faszientraining gemacht? Dann teile sie mit uns in den Kommentaren.

Über Susanne Linecker:

Susi Linecker

Als begeisterte Läuferin und Hobby-Triathletin fand Susanne Linecker nach einer Verletzung zum Faszientraining und war von den Erfolgen begeistert. Beruflich arbeitet sie als Ergotherapeutin in der Handrehabilitation sowie im stationären Bereich in der Orthopädie und Neurologie. Neben Techniken der Faszienbehandlung setzt sie mit Begeisterung auch aktives Faszientraining zunehmend mit Patienten aller Altersschichten ein. Aktuell bildet sie sich gerade zur Fascial Fitness Trainerin weiter.

***

Runtastic Team

Ein paar Kilo verlieren, aktiver und fitter werden oder die Schlafqualität verbessern? Das Runtastic Team gibt dir nützliche Tipps und Inspirationen, um persönliche Ziele zu erreichen.


Alle Artikel von Runtastic Team anzeigen »
  • Runtastic Team

    Hallo! Vielen Dank für deine Frage 🙂 In diesem Blog-Post gehen wir auf dieses Thema ein: https://www.runtastic.com/blog/de/sport-fitness/dehnen/ Viel Spaß beim „Foam Rolling“ und Dehnen! 🙂

    • seritya

      Danke 🙂

      • Runtastic Team

        Sehr gerne! Teile uns doch mit, wie dir der Beitrag gefallen hat. Wir freuen uns über dein Feedback 🙂