Die FUNtastic Four Interview Blog-Serie von Runtastic

Woche 1: “Das längste Rennen der Welt ohne Pause”

Name: Christophe Vissant
Herkunft: Frankreich
Beruf: Ultra-Läufer
Webseite: www.christophevissant.fr

Christophe Vissant

Runtastic: Hallo Christophe, schön dich für unsere neue Blog-Serie “The FUNtastic Four” interviewen zu dürfen. Lass uns gleich loslegen. Erzähle uns bitte ein bisschen von deinem unglaublichen Projekt, an welchem du zurzeit arbeitest!
Christophe: Ich arbeite an einer lebenslangen Herausforderung! Im Jahr 2008 bin ich über 1.100 km von Aubagne (Südfrankreich) nach Paris gelaufen, ohne einen Tag Pause und legte 75 km pro Tag zurück. Im Jahr 2010 bin ich dann über 2.700 km von Aubagne nach Athen gelaufen, wieder ohne Pause und mit derselben Kilometeranzahl. Nach mehr als 56.000 km in 10 Jahren, habe ich jetzt eine neue Herausforderung für mich gefunden: Vom Vélodrome Stadium in Marseille, Frankreich über Sydney nach Cairns, Australia zu laufen. Das sind insgesamt 28.000 km und 75 km am Tag, ich werde dazu 377 Tage ohne einen Tag Pause laufen. 

Drei Rekorde werden gebrochen, inklusive dem längsten Lauf der Welt ohne einen Tag Pause. Zusätzlich hoffe ich auch, auf die Problematik des bevorstehenden Sterbens des Great Barrier Reefs aufmerksam machen zu können. Das ist nicht nur ein sportliches Abenteuer, sondern auch ein humanes und ökologisches. Ich engagiere mich sehr für nachhaltige Entwicklung und humanitäre Arbeit und ich lebe diese Leidenschaft während meiner Läufe – km für km – Schritt für Schritt.

Runtastic: Als wir auf die Idee von „Cheer me to Sydney“ kamen, dachten wir nie, dass es jemanden gibt, der ernsthaft um den Globus laufen wird! Kannst du uns sagen, wie du auf diese verrückte Idee gekommen bist?
Christophe: Eine verrückte Idee? Nein, das ist sie nicht! Es ist ein Traum. Es war schon immer ein Kindheitstraum von mir, Australien und das Great Barrier Reef zu entdecken, den größten lebenden Organismus der Welt, der sogar vom Mond aus sichtbar ist. 

Vor meinem Tauchunfall war ich nicht gerade ein begeisterter Läufer. Als ehemaliger Football-Spieler, war laufen, ohne einem Ball nachzujagen, sinnlos für mich. Heute, nach meinem Tauchunfall, bei welchem ich fast meine Beine im Roten Meer verloren hätte, gibt es keinen einzigen Tag ohne laufen für mich. Laufen ist purer Spaß. Nicht jemanden im Wettbewerb zu schlagen, sondern ein Ziel zu erreichen. Wenn du läufst, dann bist du mit dir selbst im Reinen. Dein Geist und den Körper sind eins und nichts kann dich aufhalten.
Zahlreiche Väter wollen ihren Kinder einen materiellen Besitz oder Reichtum, den sie während ihres Lebens sammelten, vererben. Mit dem Marseille – Sydney- Cairns Lauf möchte ich meinen beiden Töchtern ein anderes Vermächtnis machen. Ich will ihnen beweisen, dass ALLES möglich ist.
Ich möchte auch allen, die mit ihrem Körper zu kämpfen haben, eine Botschaft vermitteln. Ich möchte ihnen zeigen, dass der Mensch Schmerzen und Widrigkeiten durch das Festhalten an seinen Träumen überwinden kann. Für mich ist Australien ein Mythos, ein Traum und ein Land voller Legenden. Mein Traum.

Runtastic: Also was ist dein Hauptziel? Was möchtest du mit diesem Projekt erreichen? 
Was ist die Geschichte des Laufs?
Christophe: Ziel 1: An meine Grenzen gehen. Wie fast alle Läufer, liebe ich die Herausforderung und möchte mir einen Namen in der kleinen Gruppe der Transkontinental- Läufer machen. Ich möchte der erste sein, der durch drei Kontinente läuft, ohne einen Tag Pause einzulegen. Ich möchte auch den Rekord der längsten Distanz in der Welt (27.091 km) brechen. Außerdem möchte ich auch den Rekord der Zahl an gelaufenen Kilometern in einem Jahr (27.011 km) brechen. Schließlich möchte ich auch der erste sein, der drei Kontinente in Folge mit dieser Geschwindigkeit/Pace durchquert.

Ziel 2: Laufen für einen guten Zweck. Die Öffentlichkeit über das bevorstehende Verschwinden des Great Barrier Reefs aufgrund der globalen Erwärmung hinweisen und Aufmerksamkeit dafür erregen. Aufgrund der globalen Erwärmung und Ausbeutung von Touristen dieser tollen Sehenswürdigkeit, bleichen die Korallen aus und sterben. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Korallenbleiche immer häufiger wird. Wenn hier keine Lösungen gefunden werden, wird das Great Barrier Reef bald nur noch in der Geschichte existieren… 

Aber hier ist meine ursprüngliche Motivation, da das Brechen von Rekorden nicht meine Hauptmotivation war. Wenn ich Cairns erreiche, kann ich mir hoffentlich meinen Kindheitstraum verwirklichen und im Great Barrier Reef tauchen. Ich könnte auch mit den Flugzeug hinfliegen, aber dann würde ich den Eid brechen, den ich im Jahr 2003 einer Meeresschildkröte gegeben habe. Als begeisteter Taucher wurde ich Opfer eines schrecklichen Dekompressionsunfalls. Ich verbrachte eine Woche in einer Druckkammer und fürchtete, dass Paraplegie oder Tetraplegie meine Zukunft sind. Zwischen Wahn und Schmerz kam eine Schildkröte kurz vor meinem Unfall zu mir und flüsterte: „Wenn du an deinen Traum glaubst, dann wird er in Erfüllung gehen.“ Dann machte ich ein Versprechen „Wenn ich das überstehe, dann werde ich nach Australien laufen.“ Seit diesem Moment verfolge ich meinen Traum.

Runtastic: Zurück zum Lauf, erzähle uns bitte, was geht dir während eines Ultra-Laufs durch den Kopf? Wie bereitest du dich mental auf so ein langwieriges Projekt vor?
Christophe: Gute Frage, viele Dinge gehen mir durch den Kopf. Als Vater, denke ich oft an meine Kinder und an Zukunftsprojekte. Da ich mehr als ein Jahr laufen werde, muss ich mental sehr gut vorbereitet sein. Mentale Stärke, Fokussierung, Härte sind 90 % des Erfolgs. Ich glaube wirklich daran. Ich mache auch Yoga, lange Spaziergänge und tauche. Pausen zwischen meine Läufen sind sehr wichtig. Es ist mein „Job“ auf meinen Körper zu hören, bevor es auf die große Reise geht. 

Während ich laufe, laufe ich manchmal im „mentalen Modus“ wenn es weh tut. Ich drücke dann einen imaginären Knopf in meinem Kopf und versuche so, die Schmerz zu vergessen. Ich habe die Chance tief mit meinem Körper zu kommunizieren. Wenn ich falle, denke ich an die Möglichkeiten, die ich habe, wie privilegiert ich bin und das hilft mir dann wieder aufzustehen. Vor allem denke ich an die Opfer, die ich dafür erbracht habe und dass es ein außergewöhnliches Geschenk ist – durch die ganze Welt zu laufen! Es ist so großartig, Menschen zu treffen und die Grundlagen ihres Lebens kennen zu lernen: Großzügigkeit, Gastfreundschaft, Freundlichkeit und Mut.

Runtastic: Was kannst du uns über die genaue Route erzählen? Welche Länder musst du auf deiner Reise nach Australien durchqueren?
Christophe: Sicher, in Europa werde ich folgende Länder durchqueren: Frankreich, Monaco, Slovenien und Ungarn. In Asien: Ukraine, Russland, Kasachstan, Mongolei, China, Vietnam, Kambodscha, Thailand, Malaysien und Singapur. Das letzte Land wird Australien sein. Ihr könnt die gesamte Karte auf meiner Webseite betrachten.

Runtastic: Was ist deine persönliche Lebensphilosophie? Gibt es ein Geheimnis oder einen motivierenden Rat, den du den Runtastics mitgeben kannst, um ihre eigenen Rekorde zu brechen oder spektakuläre Ziele zu erreichen?
Christophe: Viele Menschen schauen mich an, als ob ich ein Alien wäre. Aber ich bin der normalste Mensch, den man finden kann. Meine Lebensphilosophie? Nichts ist stärker als der menschliche Wille. Mit deinem Herzen und deinem Willen ist nichts unmöglich. Du musst jeden Moment deines Lebens genießen.

Runtastic: Danke für das großartige Interview. Du bist ein wahrer Champion und hast eine tolle Geschickte zu teilen. Gibt es einen Weg, dein Projekt zu unterstützen?

Christophe VissantChristophe: Der Lauf ist ein wichtiges Projekt, welches natürlich viele Ressourcen erfordert. Wir benötigen immer noch Hilfe. Wir haben eine Lotterie errichtet, in welcher jeder helfen kann, dass das Projekt Wirklichkeit wird. Durch das Kaufen von Kilometern (2€ für 1 km), könnt ihr an einer Verlosung teilnehmen. Der Gewinner erhält einen kostenlosen Flug nach Cairns, Australien für 2 Personen um meine Ankunft zu feiern!  

 

Ich möchte auch meinen Sponsoren danken, die bereits einen großartigen Job geleistet haben und wir freuen uns immer über neue Partner. Danken möchte ich auch Runtastic, die mir ihre App für mein Training zur Verfügung gestellt haben!

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