Laufen mit Hund: 9 hilfreiche Tipps vom Dogprofi

Dog- Coach Manuel Kregl with his two dogs.

Du liebst es, mit deinem Hund eine Runde zu drehen – und zwar laufend? Ich auch.

Gründe, warum du Gassi- und Laufrunde kombinieren solltest, gibt’s ja viele. Achtzehn davon habe ich in einem Blogpost erwähnt. Daraufhin bekam ich nicht nur tolle Fotos von euch (sind im Post eingebaut, danke nochmal!!), sondern auch einige Fragen…

„Jack Russell, Dalmatiner oder Labrador – welche Rasse eignet sich zum Laufen am besten?”
Mit wie vielen Kilometern hast du begonnen?”
„Worauf soll ich beim Laufen mit Hund besonders achten?”

…um nur ein paar zu nennen. Da ich selbst keine Expertin auf diesem Gebiet bin und das Laufen mit meiner Chihuahua-Hündin Mocca eher intuitiv anging, habe ich mir Rat von Hundetrainer und Dogprofi Coach Manuel Kregl geholt.

Dogprofi Coach Manuel Kregl mit seinen beiden Hunden.

Ziel seiner Arbeit ist hauptsächlich der entspannte Umgang mit dem Hund im Alltag. Er ist die richtige Ansprechperson, wenn es um verhaltensauffällige Hunde geht, und steht bei Fragen zur artgerechten Auslastung und Beschäftigung des Hundes zur Seite.

Im Gespräch hat er mir erklärt, worauf Hobbyläufer achten sollten, wenn sie ihren Familien-Wuffi zwei- bis dreimal die Woche zum Joggen mitnehmen.
„Hunde sind Langstreckentraber. Im Grunde kommt das Laufen den Anlagen des Hundes sehr entgegen”, erzählt mir Manuel, während ich ihn bei der täglichen Spazierrunde mit seiner Deutsch-Kurzhaar-Hündin Lotti begleite.

Auf meine Frage, ob es einen Anhaltspunkt gibt, ab welchem Alter ich mit meinem Hund laufen gehen kann, meint er: „Grundsätzlich gibt es keine allgemeine Regel. Es kommt immer individuell auf Rasse, Häufigkeit der Laufeinheiten, Strecke und Gesundheitszustand des Hundes an. Ein Magyar Viszla oder Dalmatiner eignet sich naturgemäß eher als Lauf-Begleithund, als ein Mops oder eine Bulldogge, die eventuell mit der Atmung Probleme hat. Aber auch kleinere Rassen wie Terrier, Shelties oder Chihuahuas sind hier dankbare Begleiter, um nur einige zu nennen. Ein vorangehender Gesundheits- und HD-Check (Hüftdysplasie) ist vor allem bei größeren Hunderassen ratsam.”

Bei unserem Treffen habe ich den Dogprofi mit allen möglichen Fragen zum Thema Laufen mit dem Vierbeiner gelöchert. Er beantwortete mir jede einzelne sehr geduldig (eine wichtige Charaktereigenschaft eines Hundetrainers 🙂 ) und gab mir neun wichtige Tipps mit auf den Weg:

1. Vorbereitung ist alles
Das Skelett ist bei den meisten Hunderassen mit zirka einem Jahr ausgereift. Ab da kann der (gesunde) Hund problemlos regelmäßig zum Laufen mitkommen. Wie beim Menschen ist alles eine Frage der Vorbereitung und des Trainings. Nutze die Welpen- und Junghundezeit, um deinen Vierbeiner Schritt für Schritt an das Traben neben dir zu gewöhnen. Startet dabei beim Spaziergang, indem du zwischendurch ein paar hundert Meter joggst. Sobald der Hund gelernt hat, locker nebenbei zu laufen, kannst du die Distanzen nach und nach erhöhen.

Hund auf einem schneebedeckten Gipfel.

2. Warm-up oder Trockentraining
Wer seinen Wuffi mit zum Laufen nimmt, hat doppelte Verantwortung der Umwelt und anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber. Daher ist ein gut sozialisierter Hund  Voraussetzung für einen entspannten Lauf. Nicht nur Gelassenheit und Ruhe sind gefragt, sondern auch eine gute Leinenführigkeit, die Orientierung am Besitzer, Ansprechbarkeit des Hundes und dass er Reizen wie zum Beispiel dem Begrüßen anderer Artgenossen widerstehen kann.

Damit ich mit dem Vierbeiner locker laufen gehen kann, ist davor einiges an Vorbereitung nötig. Gerade wenn das Ganze dynamisch wird, soll es ruhig und geordnet ablaufen. Die Devise lautet: „Der Hund bleibt trotz Dynamik ruhig im Laufen und orientiert sich an mir, dem Besitzer.” Die Kunst ist es, dies schon vorher in der Statik hinzubekommen. Nur so kann es in Bewegung funktionieren.

Um einen relaxten Auslauf zu garantieren, eignen sich bestimmte Kommandos. Dein Hund sollte auf jeden Fall abrufbar sein, sofort stehenbleiben können und lernen, sich in einem bestimmten Radius von dir zu bewegen.

3. Kinder lieben Rituale – Hunde auch
Du greifst nur zur Jacke und dein Hund ist bereits aus dem Häuschen? Das kennen wir alle. Damit der Wuffi einen kühlen Kopf bewahrt, hilft es, vor dem Lauf immer den gleichen Ablauf zu haben. Wichtig ist dabei, selbst komplett ruhig zu bleiben.

So könnte ein Ritual zur Vorbereitung zum Beispiel aussehen: Geschirr anziehen, anleinen, neben sich sitzen lassen, ein Kommando und los geht’s.

Durch ein eigenes Laufgeschirr kann sich der Wauzi vorbereiten und weiß, was auf ihn zukommt. Hier bietet sich ein Brustgeschirr gut an. Auch wenn Ausziehleinen sehr beliebt sind, eignen sie sich zum Laufen eher weniger. Eine zwei bis drei Meter lange, lockere Leine – mit Reflektoren und eventuellem Ruckdämpfer – sind wunderbar. Es gibt übrigens auch Bauchgurte oder Umhängeleinen für all jene, die die Hände frei haben möchten. Achtung: Von Beinleinen ist abzuraten.

Laeuferin bei einem Laufwettkampf mit ihrem Hund an der Leine.

4. Achtsamkeit ist das A und O
Das Laufen mit dem Vierbeiner stellt hohe Ansprüche an Mensch und Hund. Es ist mit allen möglichen Ablenkungen zu rechnen: Menschen, Kinder, andere Hunde, freilaufende Tiere, Autos, Fahrräder… Wichtig ist daher, auf seinen Hund Rücksicht zu nehmen und eigene Ansprüche wie Pace und Distanz erstmal hinten anzustellen. Gerade am Anfang muss ich gut auf meinen Partner mit der kalten Schnauze achten… Bereitet ihm der Lauf Freude, orientiert er sich an mir oder lässt er sich zurückfallen?

Fazit des Dogprofis: Achtsames Beobachten ist wichtig und dass der Sportsgeist des Läufers nicht über das Wesen und die Bedürfnisse des Hundes gestellt wird.

5. Temperaturcheck: Ice Ice Baby oder Sun is Shining?
Will man mit seinem Hund bei Kälte laufen gehen, so ist das Joggen für ihn bei Minusgraden im einstelligen Bereich kein Problem. Zumindest, solange er in Bewegung bleibt. Im Sommer sind bis zu +15° C unbedenklich. Bei wärmeren Temperaturen sollte darauf geachtet werden, im Schatten zu laufen. Das geht beispielsweise gut im Wald. Außerdem kann man im Sommer auch die frühen Morgen- oder späten Abendstunden für die Laufrunde nutzen. Von Läufen in der prallen Sonne ist unbedingt abzuraten – es droht Hitzschlag. Man darf nicht vergessen, dass Hunde aufgrund ihrer geringen Anzahl an Schweißdrüsen viel schlechter mit Hitze zurechtkommen, als wir Menschen.

Junge Frau beim Laufen mit ihren beiden Hunden.

6. Laufstrecke? Bitte pfotenfreundlich!
Klarer Fall: Je weicher der Untergrund ist, desto besser. Hier eignet sich Waldboden, Wiese oder Sand (gutes Training auch für Herrchen oder Frauchen!). Die Hundepfoten sind sehr sensibel und können zum Beispiel im Sommer auf aufgeheiztem Asphalt wundlaufen. Im Winter gilt Streugut (Salz oder Steinchen) als besonders unsanft für die Pfoten.

Tipp vom Profi: Hundeschuhe, sogenannte Booties, schonen die Pfoten. Alternativ kannst du die Pfötchen deines Wuffis mit Pfotenbalsam schützen und pflegen. Sowohl vor, als auch nach dem Lauf.

7. Mehr Bewegung = mehr Futter?
Grundsätzlich gilt, dass dein Hund durch zwei- bis dreimal die Woche Joggen keine Ernährungsumstellung braucht. Vorausgesetzt er bekommt ohnehin schon qualitativ hochwertiges Futter. Auch der Proteingehalt darf weiterhin in einem moderaten Bereich liegen (um die 21 bis 24 %). Bitte beachte auch hier, gut auf deinen Hund zu achten: Nimmt der Appetit merklich zu oder verliert er an Gewicht, kannst du die Futterration ein bisschen erhöhen.

Wichtig ist, dass immer genügend Flüssigkeit bereitsteht – vor, nach und gegebenenfalls während des Laufens. Kühles Wasser eignet sich hier am besten. Lauft ihr bei einem Bach oder Fluss vorbei, ist dein Liebling bestimmt dankbar – vor allem die Retriever 😉

8. Muskelkater gibt’s auch bei Hunden
Ja, auch der Canis lupus familiaris, wie der Hund auch genannt wird, kann Muskelkater bekommen. Der Muskelstoffwechsel des Hundes ist dem des Menschen sogar sehr ähnlich. Wie macht er sich bei deinem Vierbeiner bemerkbar? Er tut sich beim Aufstehen schwer, der Gang ist steif und „unrund”. Genau wie bei uns treten die Muskelschmerzen meist zwei Tage nach der Belastung auf.

Ist dies der Fall, ist erst mal Pause angesagt. Denn wird der Hund trotz Muskelkater zum Laufen überredet, kann dies zu einer negativen Verknüpfung (Laufen = Schmerzen) führen. Um den Muskelkater von vorneherein zu verhindern, hilft – wie beim Menschen – eine schrittweise Gewöhnung an die Bewegung.

Foto von zwei Hunden beim Spazierengehen.

9. „Mach-mal-Pause”-Signale
Ein paar kleine Pausen zwischendurch solltest du deinem vierbeinigen Begleiter auf jeden Fall gönnen. So kann er sich in Ruhe lösen, kurz verschnaufen, schnüffeln („Zeitung lesen”, wie man so schön sagt) und Flüssigkeit tanken. Wer Freilauf-Sequenzen einbaut, macht seinen Wauzi besonders happy.

Wenn du folgende (Erschöpfungs-)Anzeichen bemerkst, ist auf jeden Fall eine prompte und längere Pause angesagt: Hund verweigert, starkes und schnelles Hecheln, extrem zurückgezogene Lefzen, tiefrote Zunge oder blasse Mundschleimhäute.

Nach diesen wertvollen Tipps bekomme ich von Manuel noch einen letzten Hinweis: „Joggen kann für den Hund eine tolle Möglichkeit für Bewegung und körperliche Betätigung sein. Wer sich wundert, dass sein Vierbeiner nach einer Stunde Laufen noch nicht müde und zufrieden in seinem Körbchen schläft, sollte ihn auch geistig auslasten. Zum Beispiel durch regelmäßige kognitive Beschäftigung wie Nasenarbeit oder Suchspiele.”

Mein Fazit: Ich habe einiges von Dogprofi Manuel gelernt. Mein Highlight ist folgende Aussage von ihm: „Im Optimalfall haben Mensch und Hund dieselbe Einstellung”.

Meine Mocca und ich sind uns auf jeden Fall einig – wir lieben unseren gemeinsamen Auslauf!

Chihuahua Mocca

Ich hoffe, die Tipps sind nützlich für dich und du nimmst deinen tierischen Begleiter auch mal mit zur nächsten Laufrunde. Viel Spaß dabei!

Bis bald,
Vera

P.S.: Flitzt dein Hund gerne mal davon und verschwindet im Wald? Via GPS kannst du deinen Liebling sekundenschnell orten und wieder auf Kurs bringen.

***

BEWERTE DIESEN ARTIKEL

Vera Schwaiger Vera studierte Diätologie und Psychotherapie und lebt nach Einsteins Spruch: „Das Leben ist wie Fahrrad fahren. Man muss in Bewegung bleiben, um die Balance zu halten.“ Alle Artikel von Vera Schwaiger anzeigen »

Schreibe einen Kommentar