Guest Blogger • 11.09.2016

Die 7 größten Mythen über Laufschuhe (und Tipps für den nächsten Kauf)

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Denken wir an das Laufen, so kommen wir an einem Ausrüstungsgegenstand keinesfalls vorbei: Laufschuhe. Dabei überlegen wir uns beim Kauf ganz genau, welche Produkte wir an unsere Füße lassen. Mittlerweile bietet der Laufschuhmarkt auch eine sehr große Vielfalt an verschiedenen Modellen an. Da kann der Kauf neuer Laufschuhe schon mal zur echten Herausforderung werden!
Von „Barfußschuhe sind perfekt für den natürlichen Laufstil.” bis hin zu „Leichte Schuhe machen dich schneller.”… In der Läuferszene kursieren viele Meinungen und Mythen. Doch was ist an den vielen Tipps und Hinweisen wirklich dran? Wir haben mit dem Laufexperten Sascha Wingenfeld gesprochen: Er zeigt dir, worauf es bei der Wahl des Laufschuhs wirklich ankommt.

Abbildung vom Schatten eines Mannes-

Mythos 1: „Barfußschuhe sind für den natürlichen Laufstil perfekt”
„Natürlich lässt sich eine saubere Lauftechnik mit sehr minimalistisch ausgestatteten Schuhen einfacher ausführen”, ist Sascha Wingenfeld überzeugt. „Denn ein Barfußschuh zwingt den Läufer zum Vorfußlaufen, bei dem ausschließlich die Fußballen Kontakt mit dem Boden haben.” Diese Technik ist jedoch mit hohen muskulären Anforderungen verbunden und bietet große Aufprallkräfte in den Sprung- und Kniegelenken. „Jedoch fehlen vielen Hobbyläufern die nötigen, stützenden Muskeln, um mit sogenannten Barfußschuhen länger beschwerdefrei laufen zu können.”
Wer sich daran gewöhnt hat, in klassischen Laufschuhen zu laufen, muss sich somit über einen langen Zeitraum an diese neuen Modelle herantasten. Nur so kann eine Überlastung vermieden werden. „Zusätzlich leidet bei diesen Modellen der Komfort. Dieser bietet nicht mehr den gewohnten Schutz der Füße vor Kälte, Nässe, Steinen und den verschiedenen Untergründen”, sagt Sascha. Somit sind Barfußschuhe ein sinnvolles und ergänzendes Trainingstool.

Fazit: Die Lauftechnik lässt sich mit Barfußschuhen perfekt verändern und optimieren. Für den täglichen Dauerlauf sind diese Modelle jedoch nicht geeignet.

Mythos 2: „Mit orthopädischen Einlagen kann man beschwerdefrei laufen”
Orthopädische Einlagen sollen dem Fuß die nötige Stabilität bieten, die von der eigenen Stützmuskulatur in Fuß bzw. Fußgelenk möglicherweise nicht vollständig gegeben ist. Somit sollen diese Einlagen ein beschwerdefreies Laufen ermöglichen. Doch stimmt das wirklich? Der Laufexperte weiß mehr: „Der Laufschuh wird an den Stellen ergänzt, bei denen der Läufer zu individuellen Fehlstellungen und -belastungen neigt. Berücksichtigen sollte man hierbei vor allem, dass Einlagen beim Kauf des Schuhs im Sportfachhandel oft als Zusatzprodukte angeboten werden.” Prinzipiell bieten diese Einlagen jedoch keine allgemeine Lösung: „Eine orthopädische und individuell angefertigte Einlage ist ausschließlich bei Beschwerden sinnvoll, die durch andere Trainingsmaßnahmen nicht gelindert werden können.”

Fazit: Einfache Fehlstellungen lassen sich vielmehr durch ein geeignetes Training der Kraft, der Beweglichkeit und des Laufstils optimieren als durch Schuheinlagen.

Eine Frau während eines Sprint.

Mythos 3: „Laufschuhe für Frauen unterscheiden sich von den Männer-Modellen nur im Design und in der Farbe”
Zahlreiche Sporthersteller bieten heute spezielle Laufschuhe für Frauen und Männer an. Das hat durchaus seine Berechtigung: „Der weibliche Fuß ist im Gegensatz zum Männerfuß schlanker, flexibler, kleiner und hat deutlich weniger Gesamtvolumen. Zusätzlich unterscheiden sich Mann und Frau im Körpergewicht und in der gesamten Bewegungsmotorik”, weiß Sascha. All diese Unterschiede sind im Aufbau der verschiedenen Laufschuhmodelle berücksichtigt: Der Fersenbereich eines Laufschuhs für Frauen besitzt beispielsweise eine leichtere und flexiblere Außen- und Mittelsohle. Auch weitere Teile in den Bereichen Konstruktion, Dämpfung oder Passform sind geschlechterspezifisch angepasst.

Fazit: Laufschuhe für Männer und Frauen bringen einige Unterschiede mit sich. Diese sind auf den ersten Blick oft nicht gleich erkennbar. „Sollte jedoch ein Laufschuh wirklich perfekt sitzen, darf das eigene Bauchgefühl entscheiden. Natürlich können auch Frauen in Männerschuhen laufen. Die Hauptsache ist, dass sie sich in diesen wohlfühlen.”

Mythos 4: „Stabilschuhe reduzieren orthopädische Belastungen und sind besser für die Gelenke”
Der Mensch ist von Natur aus ein „Bewegungstier”. Unsere Füße sind daher eigentlich zum Barfußlaufen konzipiert. Leider ist uns diese Fähigkeit z.B. durch festes Schuhwerk im Alltag abhanden gekommen. Aus diesem Grund benötigen wir einen Laufschuh, der beste Unterstützung bietet. „Doch je stärker wir durch einen stabilen Laufschuh geführt und beeinflusst werden, desto weiter entfernt sich unser Laufstil von der natürlichen Bewegungsform.” So werden dem Körper wichtige Belastungen abgenommen, die er zum Erhalt der Muskulatur benötigt.

Fazit: Ein Stabilschuh ist für jene Dauerläufer geeignet, deren Fußmuskulatur die benötigte Stabilität nicht dauerhaft halten können. Auch Läufern, denen erhebliche Fußfehlstellungen bekannt sind, ist ein Stabilschuh zu empfehlen.

Eine Mann sprintet Stufen hinauf.

Mythos 5: „Läufer benötigen mehrere verschiedene Laufschuhe”
Unser Laufstil lebt vom Wechsel der Trainingsreize. Dieser erhält die dynamische Bewegungsmotorik und lässt das Laufbild nicht träge erscheinen. Sascha dazu: „Das betrifft vor allem den Wechsel der gewählten Laufgeschwindigkeit, die unterschiedlichen Untergründe und auch den Wechsel des Laufschuhs.”

Fazit: Durch den Wechsel von verschiedenen Schuhtypen werden Fuß und Lauftechnik in einem breiteren Spektrum an Belastungsanforderungen trainiert. Hierdurch wird die Bewegungsausführung beim Laufen Schritt für Schritt verfeinert. Gelenke, Bänder, Sehnen und Muskeln werden leistungsfähiger und sind somit weniger anfällig für Verletzungen. „Für den Gelegenheitsläufer reichen zwei Paar Schuhe aus”, rät Sascha.

Mythos 6: „Eine Laufbandanalyse hilft bei der Wahl des richtigen Schuhs”
Den künftigen Laufschuh vor dem Kauf testen zu können, ist ein tolles Angebot. Hierbei lassen sich z.B. Modelle herausfiltern, die einem so gar nicht zusagen. „Jedoch unterscheidet sich der Bewegungsablauf beim Lauf auf einem Laufband wesentlich zum Laufen im Gelände oder auf der Straße. Auch ein Testlauf über ein paar Meter auf der Straße hat daher nur wenig Aussagekraft.”

Fazit: Ob ein Laufschuh individuell gut passt, lässt sich meist erst nach den ersten vier bis fünf Trainingsläufen sagen.

Bildausschnitt von Beinen einer Läuferin.

Mythos 7: „Leichte Schuhe sind schneller”
Für schnelle Laufzeiten sind in erster Linie das eigene Körpergewicht, der Trainingszustand und die Lauftechnik entscheidend. Gerade ungeübte Läufer, die nicht über die nötige muskuläre Stabilität verfügen, können ihren Körper mit sehr leichten Laufschuhen überfordern. „Durch die fehlende Kontrolle ist es möglich, dass Laufeinsteiger Probleme damit haben.” In diesem Fall würde sich der Läufer mit schwereren Laufschuhen leichter tun. Das liegt an der besseren Führung des Fußes.

Fazit: Je besser ein Läufer trainiert ist, desto höher ist der positive Effekt durch leichtere Laufschuhe. Generell macht ein leichter Schuh jedoch noch lange keinen schnellen Läufer.

Saschas Resümee:
„Ein guter Laufschuh sollte sich durch die individuellen Bedürfnisse des Läufers auszeichnen. Jedoch garantiert dies allein keinen absoluten Schutz vor Verletzungen, Schmerzen oder Fehlbelastungen. Zusätzlich unterliegt die Schuhwahl vielen verschiedenen Einflüssen: Hier spielen Trainingsgeschwindigkeit, Jahreszeit, Untergrundbeschaffenheit und vieles mehr eine wichtige Rolle. Grundlegend entscheidend für den Spaß am Laufen bleibt eine gesunde und sichere Technik, die ein Laufen in vielen Schuhmodellen ermöglicht. Für die meisten Läufer ist neben der Schuhfrage eine gut geplante Trainingsstruktur, gepaart mit den richtigen Stabilisations-, Kraft- und Technikübungen, wichtig.”

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Sascha Wingenfeld

Der Gesundheitspädagoge und aktive Triathlet aus Fulda widmet sich seit mehreren Jahren mit seiner Firma proVita Coaching der ganzheitlichen Betreuung im Bereich Gesundheitsförderung und Sportprävention. Zudem betreut er seit über 10 Jahren als Trainer und Coach Läufer aus verschiedenen Leistungsklassen. „Ich brenne für meinen Job und ich liebe das Laufen. Ich freue mich, meine Sportler dabei zu unterstützen, durch ein gut getimtes Training, die höchst mögliche Leistung ihrem Körper abzuverlangen.”
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