Laufen & Fitness • 24.07.2016

Sex vor dem Wettkampf mindert die Laufleistung! Stimmt das?

Share on Pinterest
Share with your friends










Submit

Seit Jahrzehnten hält sich hartnäckig die Meinung, dass Sex vor dem Wettkampf die Leistung negativ beeinflusst. Selbst über die Boxlegende Muhammad Ali gibt es Berichte, dass er sich vor seinen Kämpfen eine wochenlange Sex-Abstinenz auferlegte. Vor allem in Trainerkreisen von Mannschaftssportarten ist die Enthaltsamkeit der Spieler vor wichtigen Wettkämpfen oftmals ein ungeschriebenes Gesetz. Es gibt jedoch auch einige Athleten, die auf ein Liebesspiel vor einem sportlichen Ereignis schwören. Der frühere brasilianische Weltfußballer Ronaldo empfiehlt passiven Sex, um am Vorabend eines Spiels zu entspannen.
Aber was sagt die Wissenschaft zu diesem Thema? Wir haben uns für dich einige Studien dazu angesehen.

Huebsche Frau kuesst ihren Freund beim Workout.

Achtung: Sex ist nicht gleich Sex. Je nach Intensität und Dauer kann das Liebesspiel unterschiedliche Auswirkungen auf die Laufperformance haben…

1. „Sex vor einem Marathon macht schnell…”
…zumindest wenn man britischen Wissenschaftlern der Universität Oxford glaubt. Sie befragten für eine Studie im Rahmen des London Marathons 2.000 Teilnehmer. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass jene Läufer, die am Vorabend sexuell aktiv waren, im Durchschnitt um fünf Minuten schneller liefen als jene, die enthaltsam blieben.

2. „Sex am Abend vor dem Wettkampf ist nicht leistungslimitierend.”
Tommy Boone, PhD, Mitglied der American Society of Exercise Physiologists, veröffentlichte eine Studie, bei der Männer am Laufband getestet wurden. Beim Vergleich von jenen Läufern, die am Vorabend (12 Stunden vor der Belastung) sexuell aktiv waren und jenen, die enthaltsam blieben, konnte kein signifikanter Unterschied in der erbrachten Leistung gezeigt werden. Zu dem gleichen Ergebnis kam die olympische Triathletin Samantha McGlone und der ehemalige Präsident der Canadian Academy of Sports Dr. Ian Shrier, die ebenfalls die Auswirkungen eines vorabendlichen Liebesspiels auf die Leistung untersuchten.

Eine Frau und ein Mann die im Bett liegen und sich küssen.

3. „Sex, zwei Stunden vor der Belastung, kann sich negativ auf die Leistung auswirken.”
Eine Forschergruppe aus Genf testete 16 Spitzensportler aus verschiedenen Disziplinen mit einem genauen Sex- und Trainingsplan. Zwei Stunden nach dem Sexualverkehr wurden die Testpersonen einem maximalen Belastungstest auf dem Fahrradergometer unterzogen. Der selbe Test wurde an einem anderen Tag, ohne Liebesspiel am Morgen, wiederholt. Sportler der Disziplinen Fußball und Langlauf zeigten nach dem Sex eine etwas geringere Leistung und erholten sich langsamer. In einer Studie des Uniklinikums Köln wurden ähnliche Ergebnisse festgestellt. Sportler aus Schnellkraftsportarten zeigten eine verminderte Leistungsfähigkeit direkt nach dem Liebesakt. Begründet wurde dies über den bei Männern verringerten Testosteronspiegel und mit einer einhergehenden geringeren Aggressivität. In ihrer Studie konnten sie jedoch keinerlei negative Auswirkungen bei Ausdauerathleten nachweisen.

Sex am Abend vor dem Wettkampf ist nicht leistungslimitierend. Klick um zu Tweeten

Bildausschnitt von einem Mann und einer Frau die nackt im Bett liegen.

Die Ergebnisse auf einen Blick:
Es gibt Hinweise darauf, dass sich Sex direkt vor dem Wettkampf bei Schnellkraft- und Kampfsportarten negativ auf die Leistung auswirken kann – zumindest bei Männern. Frauen produzieren beim Liebesakt vermehrt Testosteron und es wird angenommen, dass dies sogar leistungsfördernd bei zweikampfbetonten Wettkämpfen sein kann. Für Ausdauersportarten konnte keine negative Beeinflussung der Leistung nachgewiesen werden. Sex am Vorabend des Wettkampfes hat generell keine physiologisch leistungslimitierende Wirkung.

Somit kannst du ohne schlechtes Gewissen einen romantischen Abend vor deinem nächsten Laufwettkampf einplanen. Vor allem für Sportler, die vor einem Wettkampf aus Nervosität Probleme beim Einschlafen haben, kann Sex hilfreich sein. Es werden Glückshormone ausgeschüttet, die zur besseren Entspannung beitragen.

***

Herwig Natmessnig

Als ehemaliger Profiathlet im Wildwasserslalom brennt Herwig für Fitness und Gesundheit. Ob beim Wettkampf oder in der Freizeit - sportlichen Herausforderungen kann er selten widerstehen. Und mit seinem Elan punktet der Sportwissenschafter auch bei Runtastic.
Alle Artikel von Herwig Natmessnig anzeigen »