Sport nach COVID-19: Folgen einer Corona-Infektion und Genesung danach

Die globale Pandemie hat uns alle auf die eine oder andere Art und Weise hart offen. Viele von uns dachten, dass uns die Krankheit aufgrund unserer Fitness, unseres Alters oder unseres Gesundheitszustanden nichts anhaben kann. Heute wissen wir, dass es jede*n treffen kann und man die körperlichen und psychischen Folgen einer COVID-19-Erkrankung nicht voraussagen kann.

Neueste Studien konzentrieren sich auf die Langzeitfolgen der Viruserkrankung, auch Long-Covid oder Corona-Langzeitfolgen genannt. Häufige Symptome von Long-Covid, die oft monatelang anhalten können, sind Müdigkeit, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, Schwindel, kognitive Störungen, Kopfschmerzen und Kurzatmigkeit.(1)

Wir haben zwei Userinnen zu ihren Erfahrungen mit den Folgen einer Corona-Infektion, ihrer Genesung und Sport nach COVID-19 befragt. Beide Hobbysportlerinnen – ohne Vorerkrankungen, in ihren 30ern, ansässig in Europa – durchlebten milde Verläufe der Viruserkrankung. Hier sind ihre Erfahrungen:

Wie würdest du dein Fitnesslevel vor deiner COVID-19-Erkrankung beschreiben?

Amélie: Ich bin davor mindestens zweimal pro Woche laufen gegangen, 5 bis 10 km, und habe zuhause zusätzlich noch zweimal wöchentlich mit der adidas Training App trainiert. 

Barbara:  Nach Problemen mit Knieschmerzen versuchte ich gerade, zu meiner alten Laufperformance zurückzufinden. Ich war noch nicht ganz auf meinen alten Level, aber auf einem guten Weg dorthin.

Was war deine Lieblingsportart? Wie sah dein Training aus?

Amélie: Ich lauf wirklich gerne. Es ist zwar immer schwierig, mich zu motivieren – vor allem, wenn es draußen kalt und grau ist. Sobald ich aber loslaufe und dabei auch noch die richtige Musik hören, ist es einfach ein super Freiheitsgefühl und hilft mir, Alltagsstress abzubauen.

Barbara: Laufen und Yoga sind meine Favorites, ich hab aber auch Krafttraining gemacht und ging gerne Radfahren.

Wie hast du dich während deiner Corona-Infektion körperlich gefühlt?

Amélie: Es hat mit leichten Kopfschmerzen und großer Müdigkeit angefangen. Dann kam dieses komische Gefühl in der Lunge dazu, als würde jemand ständig auf meine Brust drücken. Eines Tages merkte ich dann, während ich Frühstück für meinen Sohn machte, dass ich meinen Kaffee weder riechen noch schmecken konnte – da wusste ich, dass es Covid ist.

Barbara: Ich hatte einfach keine Energie mehr. Dazu kamen Muskel- und Kopfschmerzen, Fieber und auch der Verlust meines Geruchs- und Geschmackssinns.

Woman standing on a window waiting to exercise again after corona recovery

Wie lange hielten die COVID-19-Symptome an?

Amélie: Die ersten vier Tage der Quarantäne waren nicht einfach. Ich war schon allein vom Telefonieren außer Atem und hatte Angst, dass es schlimmer wird und ich vielleicht ins Krankenhaus muss. Zum Glück brachte mir eine Freundin ein Pulsoxymeter vorbei, mit dem ich die Sauerstoffsättigung in meinem Blut messen konnte. Das half mir, mich ein bisschen zu entspannen. Nach 5 Tagen fiel mir das Atmen wieder leichter, ich war aber immer noch sehr, sehr müde und konnte nicht viel machen.

Barbara: Ich war ungefähr zwei Wochen lang krank. Bis ich wieder mehr Energie hatte und mich auf Dinge konzentrieren konnte, dauerte es aber länger – bestimmt ein paar Monate. Die ersten Tage in der Arbeit hab ich weniger Stunden gearbeitet und viele Pausen gebraucht.

Wie lange hat es gedauert bis du wieder trainiert hast?

Amélie: Nach einem Monat hab ich wieder versucht, laufen zu gehen. Ich bin 5 km weit gekommen, war aber komplett außer Atem und mir tat während des ganzen Laufs die Lunge weh. Danach ging ich öfters spazieren und machte zuhause ein paar kurze Krafttrainings, ohne Cardio aber.

Barbara: Nach der Quarantäne, also ungefähr eine Woche nach meinem Krankenstand, ging ich gleich einmal spazieren. Mein erstes – langsames und einfaches – Yoga-Workout machte ich nach 2 Wochen. Der erste Lauf war dann einen Monat später und fühlte sich auch genauso an – wie mein erster Lauf überhaupt.

Wie hast du nach COVID-19 zurück ins Training gefunden?

Amélie: Ich fing nach und nach wieder mit dem Laufen und Krafttraining an, meine Lunge fühlte sich nach fünf Monaten aber immer noch komisch an. Ich ließ sie abchecken, doch es sah alles gut aus. Auch jetzt fühle ich aber immer noch müde, demotiviert und bin immer noch schnell außer Atem. Als ich letztens 5 km lief, hatte ich aber schon ein besseres Gefühl dabei.

Barbara: Langsam. Sehr, sehr langsam. Aber voller Dankbarkeit, dass ich mich endlich wieder bewegen konnte. Allein die Wohnung zu verlassen und draußen zu sein, war ein Highlight für mich. Ein Spaziergang fühlte sich allerdings wie ein Workout an.

Schon gewusst?

Eine ansonsten gesunde Person, die sich von Covid-19, ohne in Behandlung gewesen zu sein, erholt hat und seit 7 Tagen asymptomatisch ist, sollte beim Wiedereinstieg ins Training ungefähr bei 50 % der gewohnten Intensität und des gewohnten Trainingsumfangs starten.(2)

Hat sich deine Performance verändert?

Amélie: Bevor ich krank wurde, konnte ich ohne Problem 10 km laufen. Jetzt schaffe ich nur 5 km. Meine Lunge schmerzt und ich tu mir schwer dabei, eine regelmäßige Atmung aufzubauen. Normalerweise war meine Pace bei 5:40 min/km, jetzt sind es 6:45 min/km.

Barbara: Ja und es war echt hart für mich, das zu akzeptieren. Es fühlte sich an, als würde ich wieder von vorne anfangen.

Man is exhausted from workout after his corona recovery

Haben sich deine Fitnessziele nach der Corona-Infektion und Genesung geändert?

Amélie: Auf jeden Fall. Am meisten wünsch ich mir meine Motivation, laufen zu gehen, zurück. Ich versuch außerdem mehr auf meinen Körper zu hören und es nicht zu übertreiben.

Barbara: Absolut. Jetzt ist mein Ziel, einfach fit zu bleiben und meine körperliche und mentale Gesundheit durch das passende Training und Bewegung zu unterstützen.

Welchen Rat hast du für andere Leute, die an COVID-19 erkrankt sind?

Amélie: Ihr werdet viel Geduld brauchen, aber lasst euch nicht wahnsinnig machen. Ich versuche nach wie vor das Positive daran zu sehen: Ich bin jetzt zumindest eine zeitlang immun und hatte das Glück, nur einen milden Verlauf durchzumachen.(3) Mit regelmäßigem Training werd ich, denke ich, auch bald wieder fit sein!

Barbara: Egal, ob mit dem*der Partner*in, eine*r Freund*in, der Familie oder eine*r Therapeut*in, sprecht mit jemandem darüber, wie ihr euch fühlt, was ihr durchmacht – körperlich und emotional.

Leben nach einer Corona-Infektion

Wir alle wissen, dass wir nicht unverwundbar sind. Es am eigenen Leib zu spüren, ist aber noch einmal eine andere Sache. Es wird leider immer Dinge geben, die uns für eine kurze oder auch lange Zeit außer Gefecht setzen können. Egal, ob du an einer Krankheit wie COVID-19 erkrankt bist oder dich verletzt hast, es ist oft hart, die Motivation zu finden, weiterzumachen und zurück ins Training zu finden. Wichtig dabei ist, auf deinen Körper zu hören. Achte darauf, dir genügend Zeit für Erholung zu gönnen und nicht gleich voll durchzustarten. In Zeiten wie diesen ist es besonders wichtig, dein Immunsystem zu stärken und mit regelmäßiger Bewegung, Stress abzubauen.

Wichtig: Solltest du Krankheitssymptome bei dir feststellen oder dich über eine ungewöhnlich lange Genesungsdauer wundern, sprich am besten mit deinem Arzt oder deiner Ärztin darüber!

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Emily Lemon Als Übersetzerin und Literaturwissenschafterin liegt Emily eine kulturübergreifende Kommunikation am Herzen – eine Leidenschaft, die sie als US-Amerikanerin in Österreich jeden Tag lebt. Alle Artikel von Emily Lemon anzeigen »