Warum Mütter (auch) unsere Geschmacks-Vorlieben prägen

Letztes Wochenende besuchte ich meinen kleinen Halbbruder und bat ihm eine süße, kleine Kokoskuppel an. Angewidert verzog er sein Gesicht – wie immer, wenn es sich um Kokos handelt. Ich dachte eigentlich, dies sei eine „Nachahmungstat”, weil meine Stiefmutter auch kein Kokos mag. Doch als ich gestern einen Artikel zu diesem Thema fand, wurde ich eines Besseren belehrt…

Geschmack

Vom ersten Tag unseres Lebens an mögen wir süße Nahrungsmittel. Die Vorliebe für den süßen Geschmack ist angeboren. Denn „süß” gilt als der Sicherheitsgeschmack der Evolution – es gibt kaum süße Lebensmittel, die giftig sind.

Bereits im Mutterleib genießen wir den süßen Geschmack des Fruchtwassers. Auch jenes Essen, das die Mutter während der Schwangerschaft zu sich nimmt, hat einen Einfluss auf die späteren Vorlieben des Kindes, beschreibt Dr. Eva Derndorfer in ihrem Buch „Warum wir essen, was wir essen”.

Geschmackspräferenzen werden also durch die Nahrung der Mutter zum Teil „erlernt”. In einer Untersuchung bekam eine Gruppe schwangerer Frauen über einen Zeitraum von drei Wochen vier Mal wöchentlich Karottensaft und in der Stillzeit Wasser zu trinken.

Die zweite Gruppe Frauen bekam den Karottensaft während sie stillte und während der Schwangerschaft Wasser. Die dritte Kontrollgruppe erhielt sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit nur Wasser. Die Kinder bekamen ab dem 6. Monat als Beikost zum ersten Mal wässrigen Getreidebrei und einen mit Karottensaft zubereiteten Getreidebrei.

Geschmack

Beurteilt wurde, ob das angebotene Nahrungsmittel gegessen oder ausgespuckt wurde. Den Gesichtsausdruck interpretierte eine geschulte Person und auch die Bezugsperson des Babys wurde befragt.

Die Untersuchung ergab, dass Kinder, die in der Schwangerschaft über das Fruchtwasser mit Karottensaft konfrontiert wurden, deutlich weniger negative Gesichtsausdrücke beim Karotten-Getreidebrei zeigten als beim wässrigen Brei.

Eine weitere Studie belegt, dass Babys, deren Mütter während der Schwangerschaft Anis zu sich genommen haben, den Geschmack des Gewürzes lieber mögen, als jene Kinder, deren Mütter keinen Anis gegessen haben.

Ob diese erlernten Vorlieben jedoch für immer erhalten bleiben, ist fraglich, da sich der Geschmack ein Leben lang ändern kann. Bei meinem kleinen Bruder ist die Abneigung gegen Kokos mit zwölf Jahren jedenfalls immer noch da. Viele andere Geschmackspräferenzen ergeben sich erst im Laufe der Zeit, wo viele verschiedene Einflussfaktoren mitspielen.

Eines steht fest: Die Ernährung der Mutter hat einen Einfluss auf das ungeborene Kind – nicht nur hinsichtlich der Geschmacksprägung. Frau Dr. Derndorfer bezeichnet dies für Mütter als Chance und Verantwortung zugleich. Bietet man dem ungeborenen Kind viele verschiedene Geschmacksrichtungen und Lebensmittel an, ist dies sicher eine gute Ausgangslage für das spätere Leben. Somit kann dieses Kind vielen Nahrungsmitteln und Speisen gegenüber offen sein und muss z.B. Kokos nicht ablehnen, weil ihn die Mutter nie gegessen hat – wie bei meinem Bruder.

Grundsätzlich gilt: Qualität und Quantität der mütterlichen Ernährung entscheidet, denn ein großer Teil der Gesundheit des Kindes liegt von Beginn an in den Händen der Mutter.

Hast du eine besondere Vorliebe oder Abneigung, die du mit deiner Mutter teilst? Oder bist du selbst Mama und beobachtest die Geschmackvorlieben deines Kindes? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Bis bald,
Vera

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Vera Schwaiger Vera studierte Diätologie und Psychotherapie. Sie lebt nach Einsteins Spruch: „Das Leben ist wie Fahrrad fahren. Man muss in Bewegung bleiben, um die Balance zu halten.“ Alle Artikel von Vera Schwaiger anzeigen »

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